Kirchliche Liegenschaften und Gemeinderäume sind nicht nur Bauwerke. Sie sind Orte der Begegnung, Orte der Geschichte und der Gemeinschaft. Sie liegen den Menschen am Herzen. Deshalb schmerzt es umso mehr, wenn diese Orte verloren gehen.

Leider droht genau das vielen kirchlichen Liegenschaften. Laut dem Evangelischen Immobilienverband Deutschland gilt nur ein Bruchteil der Kirchengebäude als wirtschaftlich und über 2035 hinaus tragbar.

Um Kirchenräume weiter zu erhalten und sinnstiftend zu nutzen, braucht es neue Wege. Nachhaltige Lösungen, die Glaube, Soziales und Wirtschaftlichkeit zusammenführen.

Kirchliche Liegenschaften: neue Herausforderungen, neue Lösungen

Der Status quo der kirchlichen Liegenschaften entstand nicht von gestern auf heute. Seit Jahren entwickeln sich Herausforderungen, für die es keine einfache Lösung gibt, so gern wir sie auch hätten.

Veränderungen in den Kirchengemeinden, die Bausubstanz und der schwere Weg zu neuen Lösungen verstärken sich oft gegenseitig und überfordern verständlicherweise viele Gemeinden. Deshalb braucht es konkrete Tipps, Partner, die Kirche verstehen, und einen verlässlichen Fahrplan für die Zukunft.

Aktuelle Entwicklungen in den Kirchen

Mitgliederzahlen sind für alle Kirchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Thema.  Gerade bei der katholischen und evangelischen Kirche treten immer mehr Menschen aus. Das führt oft zu Leerstand in den Gemeinde- und Sakralgebäuden. Räume bleiben ungenutzt, müssen aber weiter betrieben werden. Weniger Kirchensteuer, weniger Spenden, aber gleichbleibende Kosten.

Bei den Freikirchen sieht das Bild etwas anders aus. Zwar gehören deutlich weniger Menschen einer freikirchlichen Gemeinde an, aber die Mitgliederzahlen sind eher stabil und in einigen Fällen sogar steigend. Gerade Konzepte wie ICF Deutschland ziehen junge Menschen und Familien an.

Trotzdem stehen auch hier Räume oft leer und werden nur am Wochenende oder an einzelnen Tagen genutzt. Ohne Kirchensteuer sind freie christliche Gemeinden außerdem auf alternative Finanzierungswege angewiesen, um ihre laufenden Kosten zu decken.

Leerstände vermeiden, Betriebskosten senken und neue Konzepte zur Finanzierung. Drei Bausteine, die sowohl für die Landeskirchen als auch die Freikirchen überlebenswichtig sind.

Die Bausubstanz

Auch der Zustand vieler Gebäude ist eine Herausforderung für die Kirchen. Zwischen Denkmalschutz und Investitionsstau sind viele Gebäude in die Jahre gekommen. Die Kombination aus alternder Gebäudetechnik, schlechter Isolierung und steigenden Energiekosten schafft viele Probleme für die Gemeinden. Im Winter bleibt oft nur die Wahl zwischen Zittern im Gottesdienstsaal und explodierenden Betriebskosten. Eine Situation, die durch den Leerstand noch verstärkt wird.

Andere Räume sind zwar noch nutzbar, aber wenig einladend. Dunkel und versteckt erinnern sie eher an geheime Rückzugsorte. Orte, die sich von Menschen abgrenzen, die nicht zur Gemeinde gehören.

Schwindende Mitgliederzahlen und problematische Räume. Zwei Probleme, die sich gegenseitig verstärken und die nicht mit einer Pauschal-Lösung für alle Gemeinden aus der Welt geschafft werden können.

Wo soll es hingehen und auf welchem Weg?

Um Kirchenräume zu erhalten oder sogar neu zu schaffen, muss Kirche mitten in der Gesellschaft wirken. Davon sind wir überzeugt. Dazu braucht es multifunktionale Konzepte, in denen kirchliche und wirtschaftliche Nutzung gemeinsam existieren können. Wichtig dabei: Soziale Aspekte und der Glaubenscharakter dürfen auf keinen Fall verloren gehen.

Wie genau das Konzept aussehen kann, unterscheidet sich von Gemeinde zu Gemeinde. Im Umfeld gibt es viele junge Familien? Dann könnte eine Kita sinnvoll sein. Die Räume liegen in einem Geschäftsviertel? Dann könnte man Gruppenräume eventuell als Seminarräume vermieten. Oder könnte die Gemeinde mit einem Café zum Treffpunkt und Begegnungsort werden? Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Kirchengemeinden selbst.

In jedem Fall müssen aber neue Wege erschlossen werden, um Sanierungen, Umbauten und den Betrieb nachhaltig zu finanzieren. Mit den Menschen im Fokus.

Die Menschen nicht vergessen

Bevor irgendwelche Veränderungen passieren können, kommt die Teilhabe. Wer die Menschen nicht mit an Bord nimmt, hat bereits verloren. Besonders die Gemeindemitglieder müssen von Anfang an in Prozesse einbezogen werden. Dazu gehören Transparenz, gemeinsame Workshops und Befragungen, aber auch einfach das Zuhören.

Ein Gemeindemitglied kommt seit Jahrzehnten in die gleichen Räume und hat Angst, bei großen Umwälzungen seinen Platz, seinen Ort des Glaubens, zu verlieren. Für andere geht es um praktische Fragen: Welche alternativen Nutzungen passen zur Gemeinde? Können die Angebote der Gemeinde weitergeführt werden wie bisher? Wer kümmert sich? Wie bezahlen wir das?

Aber auch die Menschen im Dorf oder der Stadt, die noch keine Gemeindemitglieder sind, sollten nicht einfach ignoriert werden. Wenn Kirche einladend ist und Bedürfnisse der Menschen miterfüllt, steigt nicht nur die Akzeptanz, sondern es öffnen sich auch Türen für Genehmigungen für Unterstützung aus unerwarteten Quellen. Und vielleicht gibt es dann auch bald das ein oder andere neue Gemeindemitglied.

Praxis für Gemeinden: Die ersten Schritte

Jede Gemeinde muss sich zuerst eine Frage stellen: Haben wir Handlungsbedarf? Wenn eure Gemeinderäume in gutem Zustand sind, eure Finanzen stabil sind und eure Gemeinde vielleicht sogar wächst, dann gehört ihr zu den Glücklichen, die Entscheidungen nicht unter Druck treffen müssen. Ihr könnt euch in Ruhe um Zukunftskonzepte kümmern. Wenn nicht, dann gilt es jetzt, aktiv zu werden. Fakten, Gespräche und professionelle Unterstützung schützen euch dabei vor Aktionismus.

Die Grundlagenermittlung

Die Fakten findet man bei einer Bestandsaufnahme. Diese Grundlagenermittlung erfasst alle relevanten Daten zum Gebäude und zur Gemeinde. Stammdaten, Grundstücksdaten, Flächen und Genehmigung müssen genauso erfasst werden wie bautechnische Besonderheiten. Zu diesen Besonderheiten können unter anderem Denkmalschutz, besondere rechtliche Situationen oder Wirtschaftsfaktoren gehören. Aber nicht nur Daten sind wichtig, auch die Wirkung der Gemeinde muss festgehalten werden. Welche Dienste leistet die Gemeinde aktuell? Welche Angebote gibt es für die Menschen in der Gemeinde und aus der Umgebung?

Gespräche suchen

Der nächste Schritt wirkt vielleicht offensichtlich, aber er wird doch oft vergessen: Sprecht mit den Menschen.
Mit Mitgliedern und Außenstehenden. Mit den Nachbarn und mit (Lokal-)Politikern.

Fragt, was die Räume für sie bedeuten und was ihnen noch fehlt. Welche Bedürfnisse die Gemeinde für Sie erfüllen könnte. Wie stellen sie sich die Zukunft vor?

Damit ermittelt ihr einerseits den wirklichen Bedarf an eurem Standort und zum anderen holt ihr die Menschen dort ab, wo sie sind, und schafft die Grundlage für eine positive Zusammenarbeit.

Eine Gemeinde muss nicht alles können

Zuletzt auf unserer Liste, aber zeitlich unabhängig von den anderen Schritten, bleibt die Suche nach Partnern und Experten, die euch auf eurem Weg begleiten können. Menschen und Unternehmen, denen ihr vertrauen könnt und die Kirche und Gemeinde verstehen. Wichtig ist, dass sie zu euch und eurer Gemeinde passen.

Zu den möglichen Ansprechpartnern gehören kirchennahe Organisationen wie equadra, eine Immobilienberatungsgesellschaft der Evangelischen Landeskirche und des Evangelischen Siedlungswerks, aber auch private Unternehmen wie Mörk in Baden-Württemberg, Novum Locations in Österreich oder 4Wände in Augsburg.

Keine Gemeinde kann alles wissen. Sichert euch deshalb das Wissen und die Erfahrungen von Experten.

Mit den Menschen im Blick neue Wege gehen

Die Kirchen in Deutschland und Europa stehen vor großen Herausforderungen und ihre Räume mit ihnen. In der aktuellen Situation sind Veränderungen nicht zu vermeiden. Aber mit Teilhabe, multifunktionalen Konzepten, neuen Finanzströmen und viel Engagement können Veränderungsprozesse gelingen und wichtige Glaubensräume bewahrt werden.

Gemeinsam mit unseren Partnern aus Österreich, Novum Locations, arbeiten wir stetig an neuen Konzepten zur wirtschaftlichen Nutzung von Gemeinderäumen. Dazu freuen wir uns auch über Meinungen und Perspektiven. Wie geht es eurer Gemeinde und wie steht es um eure Räume?

Sprecht mit uns, entweder per Telefon, über unser Kontaktformular oder persönlich. Wir sind vor Ort bei „Mission is Possible“ am 20. Juni 2026 im Kongress am Park in Augsburg und bei der BFP-Konferenz 2026 in Willingen.